Eine Depression ist weit mehr als „nur traurig sein“. Sie kann sich schleichend entwickeln und oft lange unbemerkt bleiben – sowohl für Betroffene selbst als auch für Angehörige. Viele Menschen funktionieren trotz ihrer inneren Belastung weiterhin im Alltag, gehen arbeiten, kümmern sich um Familie oder Verpflichtungen und wirken nach außen stabil. Man spricht hierbei häufig von einer hochfunktionalen oder lavierten (also versteckten oder maskierten) Depression. Hinter der gut gelaunten Fassade, deren Aufrechterhaltung meist viel Kraft raubt, Humor oder ständige Aktivität verbergen sich nicht selten tiefe Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, innerlich leer zu sein.
In der Praxis sieht das typische Bild einer Depression folgender Maßen aus:
Typisch für eine Depression sind vor allem eine anhaltende wirklich massiv gedrückte Stimmung, ein Verlust von Freude und Interesse sowie deutliche Kraft- und Lustlosigkeit. Dinge, die früher leicht gefallen sind oder Freude bereitet haben, wirken plötzlich anstrengend oder bedeutungslos. Viele Betroffene ziehen sich zunehmend sozial zurück, sagen Treffen ab, isolieren sich oder fühlen sich selbst in Gesellschaft einsam. Auch Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, innere Unruhe, häufige Schuldgefühle oder ein vermindertes Selbstwertgefühl sind meist mit von der Partie. Das deutlichste Symptom woran Sie eine Depression relativ sicher erkennen ist die Hoffnungslosigkeit. Eine Depression "lebt quasi davon", dass einem die belastenden Dinge hoffnungslos erscheinen und sich nie bessern werden. Im Fachjargon wird dies als "kognitive Verzerrung" (d.h. die Depression färbt die eigene Wahrnehmung) oder auch kognitive Trias (negative Sicht auf sich, negative Sicht auf die Umwelt sowie negative Sicht auf die Zukunft) bezeichnet.
Substanzmissbrauch ist bei Depressionen häufig!
Viele Menschen versuchen, ihre Gefühle durch Alkohol, Medikamente, Cannabis oder andere Substanzen zu regulieren. Substanzmissbrauch kann dabei sowohl Folge als auch Verstärker einer Depression sein und führt häufig in einen belastenden Kreislauf aus kurzfristiger Entlastung und langfristiger Verschlechterung.
Angst geht oft Hand in Hand mit einer Depression!
Angststörungen und Depressionen treten häufig gemeinsam auf. Viele Betroffene erleben ständiges Grübeln, Sorgen, innere Anspannung oder Panikgefühle, parallel zu einer Depression. Umgekehrt können dauerhafte Ängste zu Erschöpfung und depressiven Symptomen führen. Depression und Angst sind deshalb oft eng miteinander verbunden!
Sehr wichtig für die Diagnoe sind zudem das Zeitkriterium und der Schweregrad.
Für die Diagnose einer Depression ist nicht entscheidend, ob einzelne schlechte Tage auftreten oder Sie hin und wieder einzelne Symptome haben – sondern wie lange und wie stark die Beschwerden bestehen. Nach den diagnostischen Kriterien müssen die Symptome in der Regel mindestens zwei Wochen nahezu durchgehend bestehen. Dabei unterscheidet man leichte, mittelgradige und schwere depressive Episoden. Während bei einer leichten Depression der Alltag oft noch bewältigt werden kann, kommt es bei mittelgradigen und schweren Verläufen regelhaft zu deutlichen Einschränkungen im sozialen, beruflichen und persönlichen Leben. Besonders belastend erleben viele Menschen das Gefühl keinen Ausweg mehr zu sehen.
Was hilft?
Wichtig zu wissen ist, Depressionen sind i.d.R. gut behandelbar. Gerade die Psychotherapie hat sich wissenschaftlich als sehr wirksam erwiesen. In der Verhaltenstherapie werden z.B. gemeinsam belastende Denk- und Verhaltensmuster erkannt, verstanden und Schritt für Schritt verändert. Ziel ist es unter anderem, wieder Zugang zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Ressourcen und sozialen Kontakten zu finden. Viele Betroffene erleben bereits durch das offene Gespräch und ein besseres Verständnis ihrer Symptome erste Entlastung.
Wichtig:
Sollten Sie unter sehr belastenden oder „schlimmen Gedanken“ leiden – insbesondere Gedanken daran, keinen Sinn mehr im Leben zu sehen – ist es wichtig, sich umgehend professionelle Hilfe zu holen. Sollte kein Arzt erreichbar sein, begeben Sie sich bitte sofort in das nächstgelegene Krankenhaus und berichten dort von Ihrem inneren Erleben. Die Kollegen dort sind erfahren, wissen was zu tun ist und werden Ihnen helfen! Negative Gedanken können im Rahmen einer Depression auftreten und sollten immer ernst genommen werden. Weitere Informationen und konkrete Hilfsangebote finden Sie auf unserer Homepage unten auf der Startseite unter „Notfall“.
Dieser Blog wurde geschrieben von Alexander Friese M.Sc., M.A.S.