Angst gehört zum Leben dazu. Jeder Mensch kennt Sorgen, Unsicherheit oder innere Anspannung – vor Prüfungen, wichtigen Entscheidungen, Konflikten oder unbekannten Situationen. Angst ist zunächst eine wichtige und sinnvolle Reaktion unseres Körpers. Sie schützt uns vor Gefahren und hilft uns, aufmerksam und vorsichtig zu handeln. Problematisch wird Angst erst dann, wenn sie übermäßig stark wird, dauerhaft anhält und das Leben zunehmend einschränkt.
Was sind typische Symptome einer starken Angstreaktion?
Typische Symptome von Angst können sowohl körperlich als auch psychisch sein. Viele Betroffene berichten über Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Zittern, Schwitzen, Schwindel, Atemnot oder Magenbeschwerden. Gleichzeitig treten häufig intensive Sorgen, Grübeln, innere Unruhe oder das Gefühl auf, die Kontrolle zu verlieren. Manche Menschen entwickeln starke Anspannung bereits bei der bloßen Vorstellungen von bestimmten (auch alltäglichen) Situationen und erleben dann plötzlich auftretende Panikgefühle. Oft besteht zudem eine erhöhte Stresssinsibilität, Schlafprobleme sowie ständige innere Alarmbereitschaft.
Unterschied "normale" Angst und Angststörung:
Der Unterschied zwischen normalen Angstgefühlen und einer Angststörung liegt vor allem in Intensität, Dauer und den Auswirkungen auf das tägliche Leben. Normale Sorgen sind meist situationsbezogen und vorübergehend. Sie lassen nach, sobald die belastende Situation vorbei ist oder man eine Lösung gefunden hat. Menschen mit einer Angststörung erleben ihre Angst dagegen oft als kaum kontrollierbar - sie haben Angst vor diesem Zustand. Die Angst tritt bei ihnen übermäßig stark auf, hält über längere Zeit an und steht häufig nicht im Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr, d.h. sie ist für Außenstehende nicht oder kaum nachvollziehbar.
Vermeidungs- oder Sicherheitsverhalten oftmals ausschlaggebend.
Ein besonders wichtiger Faktor bei Angststörungen ist das sogenannte Vermeidungsverhalten. Viele Betroffene beginnen unbewusst, angstauslösende Situationen zu meiden. Das kann kurzfristig entlastend wirken, verstärkt die Angst langfristig jedoch häufig noch mehr. Wer beispielsweise aus Angst vor Panikattacken öffentliche Orte meidet, erlebt zunächst Erleichterung – das Gehirn lernt dadurch jedoch, dass die Situation tatsächlich „gefährlich“ gewesen sein muss, sonst würde man bei Vermeidung ja keine Erleichterung verspüren. So kann sich die Angst immer weiter ausbreiten und den Alltag zunehmend einschränken. Manche Menschen vermeiden schließlich soziale Kontakte, Reisen, bestimmte Orte oder sogar alltägliche Aufgaben. Das Vermeidungsverhalten kann hierbei Hinweise geben um welche Angststörung es sich handelt.
Es gibt verschiedene Angststörungen!
Die folgenden Störungsbilder werden hier nur sehr kurz angerissen und dabei auch nur die häufigsten genannt. Häufig treten mehrere Angstformen gleichzeitig auf.
Bei der Generalisierten Angststörung stehen anhaltende Sorgen und ständiges Grübeln im Vordergrund. Betroffene machen sich über viele Lebensbereiche intensive Gedanken und fühlen sich dauerhaft angespannt.
Die Panikstörung äußert sich durch plötzlich auftretende Panikattacken mit starken körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atemnot oder Schwindel. Viele Menschen entwickeln dabei große Angst vor der nächsten Attacke.
Bei der Sozialen Angststörung besteht vor allem die Angst, von anderen negativ bewertet, kritisiert oder abgelehnt zu werden. Betroffene vermeiden häufig soziale Situationen oder erleben diese unter großer innerer Anspannung.
Spezifische Phobien beziehen sich auf bestimmte Situationen oder Objekte, etwa Flugangst, dem Erbrechen, Höhenangst oder Angst vor Spinnen. Wichtig, die Angst dabei ist ausschließlich auf diese spezifische Situation beschränkt.
Auch die Agoraphobie gehört zu den häufigen Angststörungen. Hierbei besteht oft Angst vor Orten oder Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheinen könnte – beispielsweise Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel oder weite Wege von zuhause entfernt.
Therapie von Angst?
Die gute Nachricht ist: Angststörungen sind sehr gut behandelbar. Besonders die Verhaltenstherapie gilt als wissenschaftlich gut untersucht und sehr wirksam. In der Therapie lernen Betroffene zunächst, ihre Angst besser zu verstehen und die Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen und Verhalten zu erkennen. Ziel ist es, dem Gehirn neue Erfahrungen zu ermöglichen und die Angst langfristig zu reduzieren.
Viele Menschen erleben bereits durch das Verstehen ihrer Symptome eine erste Entlastung.
Wichtig ist dabei zu wissen - Angststörungen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind menschlich, häufig – und behandelbar.
Wenn Angst beginnt, den Alltag einzuschränken oder das Leben zunehmend zu bestimmen, kann professionelle Unterstützung ein wichtiger und hilfreicher Schritt sein.
Mehr erfahren Sie auch im Fachbereich Erwachsene unserer Website unter "effektive Therapie von Angst & Panik".
Dieser Blog wurde geschrieben von Jenny Friese M.Sc.